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Mensch oder Maschine? – Der Turing-Test einfach erklärt

Alan Turing, ein Naturwissenschaftler mit einem Hang zur Mathematik, hat 1950 den Turing-Test entwickelt. Dieser soll herausfinden, ob die Intelligenz eines bestimmten Systems der eines Menschen entspricht. Im KI-Kontext werden der Turing-Test und dessen Abwandlungen regelmäßig zur Überprüfung und Einschätzung von entwickelten Systemen herangezogen.

Über Alan Turing

Alan Turing, der Erfinder und Namensgeber des Turing Tests, wurde 1912 als Kind indischer Eltern in London geboren. In seiner Kindheit verbrachte er einige Jahre in einer Pflegefamilie und überraschte bereits in frühen Jahren mit einer hohen Intelligenz und Affinität zu Zahlen und Rätseln.

Während seiner frühen Schullaufbahn stieß er mit seiner Neigung zu naturwissenschaftlichen Themen immer wieder auf Widerstand, da seine Lehrer auf die Geisteswissenschaften fokussiert waren.

Später studierte Turing am King’s College in Cambridge unter Godfrey Harold Hardy, einem bedeutenden Mathematiker, wo er auch die sog. Turingmaschine erfand. Dabei handelt es sich um ein wichtiges Rechenmodell der theoretischen Informatik, dass die Arbeitsweise eines Computers auf eine stark vereinfachte und mathematisch gut analysierbare Weise modelliert. Zwischenzeitlich verbrachte Turing ein Jahr an der Princeton University und erwarb dort auch seinen Doktortitel.

Turing betätigte sich zudem im Bereich der Kryptoanalyse. Als einer der herausragendsten Wissenschaftler während des zweiten Weltkrieges entwickelte Turing z.B. einige mathematische Modelle, die zur Entschlüsselung deutscher Funksprüche angewendet wurden.

1948 wechselte Alan Turing zur Universität in Manchester, lehrte dort und wurde stellv. Direktor der Computerabteilung. In diesem Zuge arbeitete er an einem der ersten „echten“ Computer und veröffentlichte verschiedene theoretische Arbeiten. Darunter auch das Werk „Computing machinery and intelligence“, in dem er die Probleme von künstlicher Intelligenz aufgreift und einen von ihm entwickelten Test vorstellt, der prüft, ob die Intelligenz einer Maschine bzw. eines Systems mit der eines Menschen vergleichbar ist.

Da nach Turing’s Ansicht Intelligenz und der Denkvorgang jedoch nicht formulierbar sind, beschränkt er sich in seinem Test ausschließlich auf die Glaubhaftigkeit der von einer Maschine gegebenen Antworten in einem Dialog.

Ab 1952 widmete sich Turing den mathematischen Problemen der theoretischen Biologie. 1954 starb Turing, vermutlich durch Suizid.

Der Turing-Test

Alan Turing entwickelte 1950 den nach ihm benannten Turing-Test, um herauszufinden, ob die Intelligenz eines Systems mit der eines Menschen zu vergleichen ist. Zunächst handelte es sich bei dem Test um eine theoretische Skizze, die erst mit der zunehmenden Verbreitung von künstlicher Intelligenz – und somit nach Turings Tod – konkreter ausformuliert wurde.

Testablauf

Der Turing-Test basiert in seiner Grundform auf Konversationen per Tastatur und Bildschirm, ohne Hör- und Sehkontakt zwischen den Teilnehmern. Beteiligt sind ein Computer mit dem zu testenden System (A) und zwei echte Personen (B und C). Eine Person stellt den Tester (C) dar. Der Computer (A) und die verbleibende Person (B) bilden das Gegenüber.

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Versuchsanordnung Turing-Test

Sowohl der Computer, als auch Person B versuchen ihren Gesprächspartner (C) in aufeinanderfolgenden Konversationen davon zu überzeugen, dass sie denkende Menschen sind. Kann Person C nicht mehr zweifelsfrei zuordnen, welche der beiden Konversationen von der Person und welche von dem Computer geführt wurde, gilt der Test als bestanden und die Intelligenz der Maschine als der des Menschen ebenbürtig.

Kritik am Turing-Test

Der größte vorherrschende Kritikpunkt am Turing-Test ist der, dass dieser lediglich die Funktionalität eines Systems prüfe, jedoch nicht, ob der Intelligenz auch ein Bewusstsein oder eine Intentionalität zugrunde liegt. Eine der führenden Stimmen in diesem Kritikpunkt ist der Amerikanische Philosoph John Searle.

Theoretisch könnte der Turing-Test daher auch von einem System bestanden werden, welches menschliches Verhalten lediglich imitiert und das darauf programmiert ist, den Gesprächspartner und den Konversationsverlauf dahingehend zu manipulieren, es für einen Menschen zu halten, ohne dafür jedoch echte Intelligenz zu benötigen.

Im Juni 2014 schaffte es ein Chatbot namens Eugene Goostman erstmals, mehr als 30% einer Jury davon zu überzeugen, dass es sich bei ihm um einen Menschen handelte. Der Chatbot mit der Persona eines 13-jährigen ukrainischen Teenagers hatte aber weder echte Intelligenz, geschweige denn ein Bewusstsein. Der Programmierer hatte es lediglich geschafft, die menschlichen Prüfer mit diversen Strategien auszutricksen.

Erweiterungen des Turing-Tests und Alternativen

Mittlerweile haben sich aus den Kritikpunkten teils verschiedene Erweiterungen und Abwandlungen der Grundversion des Turing-Tests entwickelt. Nachfolgend die im Bereich der künstlichen Intelligenz am häufigsten angeführten Konzepte:

  1. Lovelace-Test: Der Lovelace-Test erfordert, dass eine künstliche Intelligenz Kreativität beweist und originäre Leistungen erbringt, zu denen sie nicht programmiert wurde.
  2. Metzinger-Test: Zum Bestehen muss eine künstliche Intelligenz proaktiv in einer Diskussion um künstliches Bewusstsein agieren und überzeugend für ihre eigene Theorie von Bewusstsein argumentieren.

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